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Ausstellungshonorare oder eine Evolution des Denkens.

Ist die Forderung der bildenden Künstler nach Ausstellungshonoraren wirklich eine, die den gesamten Ausstellungsbetrieb zusammenbrechen läßt, oder ist sie eine, die dem "Ästhetik Forscher" eine finanzielle Basis bietet, um in seinem Beruf überhaupt arbeiten zu können. Böte das Ausstellungshonorar nicht eine Möglichkeit für die Bildende Kunst, die man auch gerne Freie Kunst nennt, ein Stück freier; unabhängiger zu werden? Ist der Künstler ein Unternehmer, der ein Produkt entwickelt, um es dann mit Gewinn dem Markt zu zuführen, oder ein Forscher auf ästhetischem Gebiet, der darauf bedacht ist, seine Ergebnisse einem möglichst breitem Publikum vorzuführen? Trifft das Letztere zu, dann ist das Erstellen der Kunst, so wie das Präsentieren dieser seine eigentliche berufliche Tätigkeit. Da es in unserer Gesellschaft Usus ist, Menschen für ihre beruflichen Tätigkeiten zu bezahlen, ist die Forderung nach Ausstellungshonoraren nicht nur eine gerechtfertigte, sondern eine längst überfällige, fast eine überflüssige - wenn wir eine Gesellschaft sein wollen, in der Kultur mehr bedeutet, als Fußball und Denkmalpflege, in der die Bildung des ästhetischen Bewußtseins der Individuen unserer Gesellschaft eine Bedeutung haben soll - Selbstverständlichkeit . So ist die Feststellung, die während der Podiumsdiskusion am 03.02.98: "Der Schalter im Denken muß umgelegt werden, und zwar um 180°!" (Zit.Jean-Marie Weber), eigentlich keine evolutionäre Großtat am Ende des 20. Jahrhunderts, sondern nur ein kleiner Schritt weiter zu einer Gesellschaftsform mit den demokratischen Attributen: "Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit".

Marcus Kleier